Auswandern in die Schweiz - Was ist nach dem Zuzug zu beachten?

Dr. Fredy Eggenschwiler LL.M. TEP, eftax (Basel)

  • 27. Mai 2020

Auswandern in die Schweiz - Was ist nach dem Zuzug zu beachten?

Zur Person

Dr. Fredy Eggenschwiler ist Gründer der Basler Kanzlei eftax Fredy Eggenschwiler, welche auf die allumfassende Beratung von Privatpersonen in den Bereichen Steuern, Recht und Vermögen spezialisiert ist. Zu den angebotenen Dienstleistungen zählen insbesondere die nationale und internationale Steuerberatung, das Erstellen von Schweizer Steuererklärungen, Relocation Dienstleistungen (inkl. Pauschalbesteuerung), Rechtsberatung im Bereich der Vermögensnachfolge, Willensvollstreckung und Nachlassabwicklung sowie die Übernahme von Stiftungsrats- und Verwaltungsratsmandaten.

 

Im Webinar der Famovis Academy gehen Sie detailliert auf die Voraussetzungen und Rechtsfolgen eines Zuzugs in die Schweiz ein. Welche Dinge sind denn nach dem erfolgten Zuzug in die Schweiz zu beachten? Ist z.B. ein Nachzug von Familienmitgliedern ohne Weiteres möglich?

Wenn Sie über eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA in der Schweiz verfügen,  dürfen folgende Personen Ihrer Familie (und zwar unabhängig von deren Nationalität) von den Bestimmungen zum Familiennachzug profitieren und in die Schweiz ziehen:

  • Ehefrau, Ehemann, eingetragene Partnerschaft;
  • Kinder und Enkel bis zum 21.  Lebensjahr oder älter, wenn ihnen Unterhalt gewährt wird;
  • Eltern und Grosseltern, sofern ihnen Unterhalt gewährt wird (die Bedürftigkeit muss bereits vor der Einreise tatsächlich bestehen und auch nachgewiesen werden können).

 

Wenn man sich für einen Lebensmittelpunkt in der Schweiz entschieden hat und dort sesshaft wird, besteht häufig auch der Wunsch eine Immobilie zu erwerben. Was ist zu beachten, wenn ein deutscher Staatsangehöriger in der Schweiz eine Immobilie erwerben möchte?

Der Erwerb von Grundstücken in der Schweiz durch Personen im Ausland unterliegt aufgrund der sog. Lex Koller grundsätzlich einer Bewilligung. Keiner Bewilligung bedarf hingegen der Erwerber eines Grundstückes, wenn beispielsweise das Grundstück dem Erwerber - wie bei Fällen des Zuzugs in die Schweiz üblich - als Hauptwohnung am Ort seines rechtmässigen und tatsächlichen Wohnsitzes dient.

 

Was ist mit rechtlichen Regelungen, die man vor dem Wegzug in die Schweiz getroffen hat? Zum Beispiel mit einem Ehevertrag oder einem gemeinschaftlichen Testament (sog. Berliner Testament)? Sind diese nach dem Zuzug in die Schweiz weiterhin gültig?

Rechtliche Regelungen, die vor dem Zuzug in die Schweiz getroffen wurden, sollten dringend auf ihren Anpassungsbedarf geprüft werden. Eine Ansässigkeit in der Schweiz begründet in der Regel auch die Anwendung Schweizer Rechts auf diese Sachverhalte. Daher muss Gültigkeit der getroffenen Regelungen im Licht des Schweizer Rechts geprüft werden. So ist z.B. das gemeinschaftliche Testament, das in einem Akt errichtet worden ist und nicht durch zwei selbständige, höchstpersönliche und eigenhändige Testamente, in der Schweiz grundsätzlich ungültig. Auch im Bereich des Ehevertrages, z.B. was güterrechtliche Regelungen betrifft, sollte eine Überprüfung stattfinden, um sicher zu stellen, dass die vereinbarten Regelungen auch unter Anwendung des Schweizer Rechts ihre Gültigkeit behalten.

 

Der Zuzug in die Schweiz ist häufig bei aktiven oder ehemaligen Unternehmern aus Deutschland anzutreffen. Was sollten diese aus steuerlicher Sicht der Schweiz beachten, wenn sie in der Schweiz ihre unternehmerische Tätigkeit fortsetzen möchten?

Im Hinblick auf die Pauschalbesteuerung ist relevant, dass für diese unternehmerisch tätigen Personen eine solche nicht in Frage kommt, wenn sie in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Unternehmer unterliegen in diesem Fall also der ordentlichen Besteuerung. Etwas anderes gilt, wenn die Erwerbstätigkeit im Ausland ausgeübt wird. Diesfalls ist dennoch eine Pauschalbesteuerung möglich, da in der Schweiz keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Als Beispiel sind die Formel 1 Fahrer zu nennen, die ihr Geld im “Ausland” (Grand Prix Teilnahmen) verdienen.
Bei den Unternehmen liegt die Bandbreite der Gewinnsteuerbelastung je nach Kanton zwischen 12% und 21.6%. Den höchsten ordentlichen Gewinnsteuersatz weist nun der Kanton Bern aus; den tiefsten Gewinnsteuersatz weist der Kanton Appenzell Innerrhoden aus. Als Vergleich dazu: viele europäische und aussereuropäische Länder weisen Gewinnsteuersätze zwischen 20 und 30% aus.

 

Sie haben bereits zahlreiche Ansiedelungen von ausländischen Staatsbürgern in der Schweiz rechtlich und steuerlich begleitet. Haben Sie aufgrund dieser Erfahrungen abschliessend noch einige Tipps, wie man sich als Deutscher im Alltag am schnellsten in der Schweiz einleben kann?

Ein Tipp, der immer wieder von Zuzügern kommt: Engagieren Sie sich bei sozialen Projekten, treten Sie einem Verein bei oder versuchen Sie über ein Hobby sozialen Anschluss zu finden. Denn Sie werden merken, höfliche Distanz gehört bei Schweizern zum Umgang miteinander. Doch haben Sie einmal Freundschaften geschlossen, werden Sie sich schnell einleben und wahrscheinlich nie wieder weg wollen.

 

Herr Dr. Eggenschwiler wir bedanken uns für das Gespräch.

 

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