Regulierung im Private Banking - Aktuelle Brennpunkte und Ausblick

Dr. Detmar Loff, Ashurst LLP (Frankfurt a.M.)

  • 29. Mai 2020

Regulierung im Private Banking - Aktuelle Brennpunkte und Ausblick

Zur Person:

Dr. Detmar Loff leitet das Aufsichtsrechts und Investmentfunds-Team von Ashurst LLP in Deutschland und ist auf aufsichtsrechtliche Regulierungsmaßnahmen mit Fokus auf das Investmentrecht, das Wertpapierhandelsgesetz, grenzüberschreitende Sachverhalte und andere regulatorische Aspekte spezialisiert. Er begleitet u.a. internationale Investment- und Privatkundenbanken im Zusammenhang mit MiFID II, PRIIPs, MAR und anderen Projekten.

 

Im Webinar der Famovis Academy gehen Sie detailliert auf die Sachkunde und Berufspflichten des Private Banking Beraters ein. Welche Dinge davon beschäftigen denn die BaFin momentan am meisten?

Sie fokussiert sich hier weniger auf das Vorhandensein der Sachkunde und die Einhaltung der Berufspflichten durch einzelne Mitarbeiter, da die Unternehmen bereits aus Eigeninteresse (Stichwort: Reputationsschaden und zivilrechtliche Haftung) darauf achten, dass die Mitarbeiter wissen was sie tun. Die Unternehmen hier also ohnehin schon auf einem guten Weg sind. Vielmehr prüft die BaFin die hierfür im Hintergrund innerhalb eines Wertpapierdienstleistungsunterehmen ablaufenden Prozesse. Beispielhaft seien in diesem Zusammenhang etwa die Kosteninformation und Product Governance genannt.

 

Die Regulierung nimmt immer mehr zu. So ist aktuell vom Gesetzgeber z.B. geplant, dass auch Nachhaltigkeitskriterien in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung Gewicht erhalten sollen. Kundenberater sollen in Zukunft verpflichtet werden, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden zu erfragen.  Was bedeutet das dann konkret für die Anlageberatung und Vermögensverwaltung? Dürfen in Zukunft nur noch nachhaltige Kapitalanlagen empfohlen werden?

Auch in Zukunft dürfen  weiterhin nicht nachhaltige Anlagen empfohlen werden, wenn dies den Kundenpräferenzen und -neigungen entspricht. Nachhaltigkeitskriterien werden aber an Bedeutung gewinnen. So arbeiten größere Unternehmen typischerweise mit Musterportfolios und werden dabei Nachhaltigkeitsaspekte verstärkt berücksichtigen. Diese Berücksichtigung von ESG-Kriterien strahlt somit indirekt auf die Anlageberatung und Portfolioverwaltung eines jeden einzelnen Kunden ab.

 

Anhand der von der EU entwickelten Taxonomie soll sich klassifizieren lassen, wie nachhaltig ein Wertpapier oder ein Finanzprodukt ist. Im Bereich der Vermögensverwaltung bieten zahlreiche Banken bereits Mandate an, die nach ESG-Kriterien nachhaltig investieren. Welche Auswirkungen hat die Taxonomie der EU auf diese nachhaltigen Mandate?

Bislang wurde der Begriff "Nachhaltigkeit" von jedem Unternehmen etwas anders interpretiert. Die EU-Vorgaben sollen hier zu einer gewissen Vereinheitlichung führen. Gegebenenfalls werden auch einzelne Strategien von Vermögensverwaltungsmandaten angepasst, um den rechtlichen Anforderungen dieser ESG-Kriterien genügen zu können. Generell gehe ich von einer verstärkten Nachfragen nach nachhaltigen Mandaten aus. So unterliegen z.B. größere (institutionelle) Anleger selbst Rechenschaftspflichten und werden aus diesem Grund die ESG-Faktoren bei der Kapitalanlage deutlich stärker betonen. Auch haben Investmentfonds für Privatkanleger die Nachhaltigkeit als werbewirksames Mittel erkannt und werden bei der Vermögensanlage selbst mehr in diese Richtung gehen.

 

In den letzten 10 Jahren hatte man den Eindruck, dass der Gesetzgeber sehr aktiv war, was die Finanzmarktregulierung betrifft. Daher abschließend die Frage wie Sie die Regulierung des Privatkundengeschäfts in den nächsten Jahren sehen. Wird die Regulierung weiter zunehmen? Oder wird es eher zum Stillstand oder gar Deregulierung kommen? In welchen Bereichen sind Neuerungen zu erwarten?

Von einer Derugulierung würde ich eher nicht ausgehen – vor allem nicht im Privatkundenbereich. Im Bereich der professionellen Kunden und des Meldewesens wird es hingegen einige kleinere Anpassungen und Erleichterungen geben. Spannend wird es sein zu sehen, wie sich der Kursverlust Anfang 2020 auf das Anlageverhalten gerade auch der institutionellen Anleger auswirken wird – der Spagat zwischen Renditeanforderungen, Risiko und Sicherheit überspannt von Korrelationen wird hier sicherlich ganz neue Dimensionen erreichen.

 

Herr Dr. Loff wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Dr. Detmar Loff / Ashurst LLP

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