Wie findet man die richtige Vermögensverwaltung?

Dirk Farkas-Richling, FAMOVIS GmbH (Freiburg)

  • 15. Juni 2020

Wie findet man die richtige Vermögensverwaltung?

Der Private Banking Kunde steht heute einer überwältigenden Anzahl von Angeboten zur Vermögensverwaltung gegenüber. Mehr und mehr Banken bieten vermögenden Kunden eine Vermögensverwaltung an. Dazu kommt, dass sich die entsprechenden Angebote jeder einzelnen Bank in diesem Bereich stetig weiter ausdifferenzieren. Sowohl hinsichtlich der Anzahl der angebotenen Mandate als auch bezüglich der verfügbaren Anlagestrategien dieser Mandate welche häufig mit Begriffen wie Balance, Growth, Sustainable und dergleichen beworben werden. Doch wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Für einen Private Banking Kunden ist es schier unmöglich aus diesem Wust an Angeboten die passende Vermögensverwaltung für sich zu finden. Aus diesem Anlass werden nachfolgend einige Aspekte vorgestellt, die Kunden helfen ein für sie geeignetes Vermögensverwaltungsmandat zu finden.

 

1. Auswahlkriterium: Track Record des Portfolio Managers

Maßgebliches Auswahlkriterium für ein Vermögensverwaltungsmandat ist zunächst einmal ein guter Portfolio Manager. Aufgabe eines Portfolio Managers ist es durch geschicktes Kaufen, Halten und Verkaufen von Wertpapieren eine angemessene Rendite zu einem vertretbaren Risiko für den Kunden zu erwirtschaften. Ob ein Portfolio Manager dieser Aufgabe zufriedenstellend nachkommt, kann anhand des Vergleichs mit einer Benchmark ermittelt werden. Als Benchmark werden dabei regelmäßig Indizes wie z.B. DAX, EURO STOXX 50 oder Dow Jones Industrial Average herangezogen. Der Vergleich von Vermögensverwaltungsmandat mit der Benchmark basiert im Wesentlichen auf einem Vergleich von Risiko- und Renditekennziffern der jüngeren Vergangenheit. Erzielte Renditen sowie die Höhe der Volatilität stehen dabei besonders im Blickpunkt. Der Vergleich gibt einen Einblick in den Leistungsausweis des Portfolio Managers (sog. Track Record).

Wie kann ein Private Banking Kunde nun Einblick in diesen Track Record eines Porftolio Mangers gewinnen? Ganz einfach. Banken stellen zur Bewerbung Ihrer Vermögensverwaltungsmandate sog. Fact Sheets zur Verfügung. Diese Dokumente beinhalten Rendite- und Risiko-Kennziffern des Mandats und einen Vergleich mit einer Benchmark. Vor Abschluss eines Vermögensverwaltungsmandats ist der Track Record des Portfolio Managers für den Kunden damit nachprüfbar. Möchte der Kunde nun die Leistung des Portfolio Managers mit anderen Portfolio Managern messen, so sollte er die Fact Sheets von Vermögensverwaltungsmandaten mit vergleichbarer Asset Allocation und Anlagestrategie miteinander vergleichen.

 

2. Auswahlkriterium: Möglichkeit zur Individualisierung des Mandats

Manch ein Kunde gibt sich mit dem Standardangebot der Bank zur Vermögensverwaltung nicht zufrieden. Im Hinblick auf seine Bedürfnisse möchte er vielmehr marginale Anpassungen daran haben. Die Möglichkeit zur Individualisierung ist für diese Kunden ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl eines Mandats. Banken reagieren auf diese Wünsche und bieten vereinzelt eine individuelle Anpassung ihrer Vermögensverwaltungsmandate in zwei Bereichen an: beim Kostenmodell und der Asset Allocation.

Das Kostenmodell für die Vermögensverwaltung ist im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank niedergelegt. Vor Abschluss eines Vermögensverwaltungsmandats wird der Kunde über die anfallenden Kosten und das Kostenmodell seitens der Bank informiert. Beim Kostenmodell handelt es sich entweder um ein Pauschalgebührenmodell oder um ein Einzelgebührenmodell. Beim Einzelgebührenmodell werden die erbrachten Leistungen für die Verwahrung der Wertpapiere (Depotgebühr), für den Kauf sowie Verkauf von Wertpapieren (Transaktionsgebühren) und die erbrachte Vermögensverwaltung (Vermögensverwaltungsgebühr) einzeln abgerechnet. Beim Pauschalgebührenmodell (sog. All-in-fee) hingegen werden die Kosten nicht auf diese Leistungen aufgeschlüsselt, sondern von der Bank kalkuliert und pauschal mit einem Gebührensatz bzw. Betrag abgerechnet.

Eine Pauschalgebühr ist für Kunden attraktiv, da die in dieser Gebühr enthaltenen kalkulatorischen Kosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren (sog. Transaktionskostenpauschale) als Werbungskosten steuermindernd geltend gemacht werden können. Bis zu 50% der Pauschalgebühr dürfen dabei als Transaktionskostenpauschale steuermindernd geltend gemacht werden. Das Pauschalgebührenmodell ist attraktiv, muss aber nicht immer die bessere Wahl sein. So kann sich im konkreten Fall ein Einzelgebührenmodell für den Kunden wirtschaftlich rechnen, wenn im Mandat zur Vermögensverwaltung nur wenige Transaktionen stattfinden (Buy and hold). Bevorzugt der Kunde ein bestimmtes Kostenmodell, welches von der Bank von sich aus nicht bereits standardmäßig angeboten wird, so ist die Bank auf Nachfrage des Kunden häufig bereit die gewünschte Art der Abrechnung der Vermögensverwaltungsgebühren anzupassen. In diesem Kontext ist allerdings darauf hinzuweisen, dass ein einmal vereinbartes Kostenmodell für die gesamte Laufzeit des Mandats Gültigkeit besitzt. Ein Wechsel zwischen den Kostenmodellen während der Laufzeit des Mandats ist weder üblich noch möglich. 

Eine weitere Möglichkeit zur Individualisierung besteht mitunter im Bereich der Asset Allocation. Manch einem Kunden ist wichtig, dass sein Vermögen durch den Portfolio Manager nicht in gewisse Anlageklassen bzw. Unternehmen und Branchen (Glücksspiel, Pornographie, Waffenhersteller etc.) investiert wird. Banken bieten daher die Möglichkeit sog. Restriktionen beim Mandat zu vereinbaren. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass diese Festlegung von Restriktionen bei der Asset Allocation auf dem Rückzug ist. Das Aufkommen sog. nachhaltig gemanagter Vermögensverwaltungsmandate ist hierfür die Ursache. Möchte ein Kunde sein Geld nachhaltig investieren, so kann er dies mit diesen Mandaten tun. Ein nicht nachhaltig investierendes Vermögensverwaltungsmandat auf Wunsch des Kunden mittels Restriktionen in ein nachhaltiges Mandat zu transformieren, ist daher vielfach nicht mehr nötig.

Der höchste Grad an Individualisierung ist es, wenn ein Kunde der Bank die Anlagerichtlinien des Mandats inklusive Asset Allocation (vollständig) vorgeben kann. Eine solche Möglichkeit nutzen eigentlich nur institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen und Single Family Offices. Diese Investoren möchten dadurch in ihrem Gesamtvermögen eine ganz bestimmte Anlageklasse oder ganz einen speziellen Anlagestil abbilden. Nur wenige Banken bieten ein solches Vermögensverwaltungsmandat nach individuellen Vorgaben eines Kunden an. Häufig muss der Kunde bereit und fähig sein ein hohes Anlagevermögen mitzubringen. Eine Ausnahme ist zum Beispiel die Hoerner Bank, welche ein solches Mandat bereits ab einer Anlagesumme von 500.000 € anbietet.

Ein solches Individual-Mandat, welches speziell für einen einzelnen Kunden konzipiert wird, weist jedoch keinen Track Record auf. Einen Einblick in die Asset Allocation sowie die Rendite- und Risikoentwicklung des Mandats über mehrere Jahre kann der Kunde vorab somit nicht nehmen.

 

3. Auswahlkriterium: Qualität des Reportings zum Mandat

Schließlich ist die Qualität des Reportings zum Vermögensverwaltungsmandat ein weiterer Aspekt anhand dessen ein Kunde prüfen kann, ob das Mandat für ihn geeignet ist. Das Reporting ist gemeinhin ein Depotauszug, welchen der Kunde in regelmäßigen Abständen von der Bank auf dem Postweg oder elektronischen Weg (E-Banking) erhält. Aus diesem kann der Kunde die aktuelle Wertentwicklung und Zusammensetzung seines Wertpapierdepots entnehmen. Mitunter wird auch berichtet wie sich die Asset Allocation verändert hat bzw. welche größeren Positionen an Einzeltiteln im Portfolio erworben oder verkauft wurden. Da der Kunde bei einer Vermögensverwaltung die Anlageentscheidungen auf die Bank delegiert, d.h. in diese selbst nicht einbezogen ist, sollte er die Erwägungen zum Verkauf, Kauf und Halten wichtiger Positionen aus dem Reporting zum Mandat nachvollziehen können. Ist dies nur eingeschränkt der Fall, so sollten der Kundenberater bzw. Portfolio Manager ihm Antworten auf seine Fragen geben können.

Ein Kunde legt bei der Auswahl eines Vermögensverwaltungsmandats auf die Qualität des Reportings freilich kaum Wert. Verläuft die Wertentwicklung des von ihm gewählten Mandats in der Folgezeit jedoch nicht zu seiner Zufriedenheit, so gewinnt die Qualität des Reportings für ihn immens an Bedeutung. Der Kunde stellt sich dann oftmals die Frage, ob er das Mandat mit Verlust kündigen soll oder sein Geld doch weiterhin im Mandat investiert lassen sollte, in der Hoffnung dass sich die Verluste in naher Zukunft wieder ausgleichen. Für diese Entscheidung benötigt der Kunde eine verlässliche Grundlage. Diese muss ihm das Reporting oder zumindest der Kundenberater bzw. Portfolio Manager dann liefern. Der Kunde sollte dabei berücksichtigen, dass der Kundenberater das Portfolio nicht managt und insoweit auf Feedback des Portfolio Managers angewiesen ist. In der Praxis ist dabei zu beobachten, dass diese interne Abstimmung zwischen Kundenberater und Portfolio Manager bei großen Banken nicht immer zur Zufriedenheit des Kunden gelöst wird. Strikte bankinterne Compliance-Regeln ("Chinese Walls") als auch die räumliche Distanz von Kundenberater und Portfolio Manager sind hierfür die Gründe. Sie verhindern häufig die persönliche Bekanntheit und den fachlichen Austausch zwischen Kundenberater und Portfolio Manager. Bei kleineren und mittelgroßen Banken läuft diese bankinterne Abstimmung zu Gunsten des Kunden häufig besser, da Kundenberater und Portfolio Manager am gleichen Ort tätig sind, sich persönlich kennen und häufiger austauschen.