Wie findet man eine "sichere" Bank für sein Vermögen?

Dirk Farkas-Richling, Famovis GmbH (Freiburg)

  • 6. Oktober 2020

Im Zuge der COVID 19 Pandemie wird mit der Insolvenz zahlreicher Unternehmen gerechnet. Dies betrifft auch Banken, die für Ihre ausgereichten Kredite mitunter hohe Rückstellungen bilden müssen. Der Gewinn der Banken wird dadurch belastet. Einige Banken könnten dadurch am Ende des Geschäftsjahres 2020 einen hohen Verlust ausweisen. Damit Banken diese Belastungen meistern können, empfiehlt die Europäische Zentralbank (EZB), dass Banken bis Januar 2021 keine Dividenden an ihre Aktionäre auszahlen sollten. Hierdurch soll die Kapitalbasis der Banken gestärkt werden.

Angesichts dieser Umstände sollte sich ein Private Banking Kunde durchaus Gedanken machen, wie “sicher” seine Bank ist. Dabei stehen Kunden zunächst vor einem grundlegenden Problem. Nämlich der Frage, nach welchen Kriterien beurteilt werden kann, ob eine Bank “sicher” ist.

 

1. Die Ertragskraft als ein Kriterium für die Sicherheit einer Bank

Eine Bank, die keinen Gewinn macht, hat es schwer unerwartete Verluste auszugleichen. Die Ertragskraft ist damit eine erste Kennziffer, um die “Sicherheit” einer Bank beurteilen zu können. Die Bundesbank analysiert die Gewinn- und Verlustrechnungen deutscher Banken seit 1968 und publiziert hierzu regelmäßig ihre Statistik (sog. Ertragslagedaten).

Will man die Ertragskraft einer einzelnen Bank beurteilen, so kann diese anhand der jährlichen Geschäftsberichte einer Bank nachvollzogen werden. Die Höhe des Gewinns bzw. Verlustes ist aus dem jährlichen Geschäftsbericht ersichtlich. Bei vielen Banken sind diese Berichte bzw. Kennzahlen ohne Weiteres über die Homepage der jeweiligen Bank abrufbar. Nachfolgend eine beispielhafte Auswahl:

 

Name der Bank Ergebnis (nach Steuern) in Mio. Geschäftsjahr
Deutsche Bank - 5.700 € 2019
Commerzbank + 744 € 2019
Hypovereinsbank + 1.051 2019

Quelle: Geschäftsberichte der Banken

 

Analysiert man nun die Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank über die letzten 5 bis 10 Jahre, so ergibt sich ein realistisches Bild, wie es um die Ertragskraft der Bank bestellt ist. Überwiegen die Geschäftsjahre mit Gewinn, so ist dies ein gutes Zeichen. Konnte der Gewinn von Jahr zu Jahr zudem gesteigert werden, ist die Ertragskraft der Bank über jeden Zweifel erhaben.

 

2. Das harte Kernkapital als ein Kriterium für die Sicherheit einer Bank

Neben laufenden Gewinnen stellt auch ausreichendes Eigenkapital die Fortführung der Geschäftstätigkeit einer Bank bei unerwarteten Verlusten sicher. Das sogenannte Kernkapital ermöglicht es einer Bank ihren Geschäftsbetrieb fortzusetzen und laufende Verluste aufzufangen. Erstklassiges Kernkapital wird dabei als hartes Kernkapital (common equity tier 1 – CET1) bezeichnet. Das Verhältnis von hartem Kernkapital zu Risiken in der Bankbilanz wird mit der harten Kernkapitalquote in % (CET1 quote) ausgewiesen. Je höher diese Quote ist, desto kapitalstärker ist eine Bank. Die CET1 quote (harte Kernkapitalquote) ist damit das zweite Kriterium um die “Sicherheit” einer Bank beurteilen zu können. Dabei ist auffallend, dass kleine und mittelgroße Banken, die sich ausschließlich auf das Private Banking Geschäft und gegebenenfalls Asset Management mit institutionellen Investoren konzentrieren, häufig eine höhere Kernkapitalquote aufweisen als global ausgerichtete Banken, die an der Börse notiert sind und eine Vielzahl von Geschäftsfeldern abdecken.

Nachfolgende Tabelle gibt einen beispielhaften, nicht repräsentativen Überblick über die Kernkapitalquoten einiger Banken.

 

Name der Bank Kernkapitalquote Berichtsjahr
Neue Bank 36,9 % 2019
Hoerner Bank 20,0 % 2019
Ellwanger Geiger 18,5 % 2019
Hypovereinsbank 15,9 % Q1 / 2020
Julius Bär 13,9 % Q2 / 2020
UBS 13,7 % 2019
Commerzbank 13,4 % Q2 / 2020
HSBC Trinkaus & Burkhardt 12,9 % Q2 / 2020
Deutsche Bank 12,8 % Q1 / 2020
Berenberg 12,4 % 2019
M.M. Warburg & CO. 12,3 % 2018
Credit Suisse 12,1 % Q1 / 2020

Quelle: Geschäftsberichte bzw. Offenlegungsberichte der Banken

 

Diese Beobachtungen werden von BaFin und Bundesbank bestätigt, die einen speziellen Covid-19-Stresstest für kleinere Banken unter nationaler Aufsicht durchgeführt haben. Demnach sind kleine und mittelgroße Banken auch bei einem schweren Konjunktureinbruch mit einer durchschnittlichen harten Kernkapitalquote von 15,9% ausreichend kapitalisiert (http://www.die-bank.de/news/kleinere-banken-bewaehren-sich-im-stresstest-14972/).

 

3. Weitere Kriterien für die Sicherheit einer Bank?

Trefflich streiten lässt sich darüber, ob es neben Gewinn und Eigenkapital weitere Kriterien gibt, um die “Sicherheit” einer Bank zu beurteilen. So könnte man etwa das Geschäftsmodell einer Bank heranziehen um die “Sicherheit” einer Bank zu beurteilen. Weist dieses Geschäftsmodell erhöhte Risiken auf, z.B. weil die Bank ein umfangreiches Kredit-, Derivate- oder Handelsgeschäft betreibt, so könnte man verleitet sein diese Bank als weniger “sicher” einzustufen. Diese Geschäftsmodell-Risiken sind aber bereits hinreichend über die Kennziffer der harten Kernkapitalquote (CET 1 quote) abgedeckt. Entsprechende Ausfallrisiken bzw. Nachschusspflichten der Bank müssen daher durch entsprechendes Eigenkapital in der Bilanz kompensiert sein.

Ein weißer Fleck in der Bankbilanz sind allerdings Rechtsrisiken. Diese haben in den letzten Jahren für Banken deutlich zugenommen. Eine zunehmende Regulierung, ein sich schnell wandelndes Umfeld in den Bereichen Recht und Steuern sowie eine erhöhte Klagebereitschaft enttäuschter Kunden haben zur Folge, dass Banken mitunter erhebliche Summen für Rechtsstreitigkeiten sowie Straf- bzw. Entschädigungszahlungen an staatliche Stellen in ihrer Bilanz zurückstellen mussten. Diese Risiken sind nicht kalkulierbar und tauchen “plötzlich” auf, sodass Gewinn und Eigenkapital einer Bank in erheblichem Umfang und kurzer Zeit aufgezehrt werden können. Eine Kennziffer zur Einschätzung von Rechtsrisiken existiert nicht. Insoweit kann allein die Faustregel herangezogen werden, dass je größer und komplexer die Organisation einer Bank ist, desto höher die Risiken aus Rechtsstreitigkeiten sind. Vor allem börsennotierte, global agierende Banken sind diesbezüglich exponiert. Fairer Weise muss in diesem Zusammenhang aber auch darauf hingewiesen werden, dass diese Gruppe von Banken im Fall der Fälle auch mehr Möglichkeiten hat, solche Zahlungen zu (re)finanzieren. Etwa durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen am Kapitalmarkt oder einen Einstieg des Staates als Aktionär der Bank (Stichwort: “Too big to fail”).

Somit bleiben die jährlichen Gewinne und ein ausreichendes Eigenkapital die wichtigsten Kennziffern, um die “Sicherheit” einer Bank zu beurteilen.

 

FAMOVIS Hinweis: Auf FAMOVIS finden sich ausschließlich Privatbanken, die keine risikoreichen Geschäftsfelder betreiben, nachhaltig Gewinne erwirtschaften und über eine hohe Eigenkapitalquote verfügen. Die durchschnittliche harte Kernkapitalquote (CET 1 ratio) der FAMOVIS Partnerbanken liegt liegt bei 25,1% und damit deutlich über den gesetzlichen Mindest-Anforderungen von 4.5%. Egal für welche FAMOVIS Partnerbank Sie sich entscheiden. Sie werden stets eine “sichere” Bank für Ihr Vermögen finden.

 
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