Geeignetheitserklärung

Die Geeignetheitserklärung ist eine nach § 64 Absatz 4 WpHG vorgeschriebene Dokumentation der Ergebnisse einer Anlageberatung.

Begriff

Die Geeignetheitserklärung ersetzt - seit 2018 - das sog. Beratungsprotokoll bei der Anlageberatung. Während beim Beratungsprotokoll die Dokumentation des Verlaufs des Gesprächs zwischen Bankberater und Kunde im Mittelpunkt stand, konzentriert sich die Geeignetheitserklärung auf die Dokumentation der Ergebnisse der Beratung. Dadurch soll der Kunde die Gründe der Empfehlung nachvollziehen können, um eine fundierte Anlageentscheidung treffen zu können. Der Bankberater hat hierfür die Ergebnisse jeder Anlageberatung schriftlich zu erfassen und dem Kunden als sogenannte „Geeignetheitserklärung“ auszuhändigen. Die Aushändigung an den Kunden kann dabei in Papierform oder in elektronischer Form (E-Mail bzw. Nachricht im E-Banking-Postfach) erfolgen.

 

Inhalt

In der Geeignetheitserklärung ist zu dokumentieren, warum die Empfehlung für den Kunden geeignet ist.

  • Hierfür muss der Anlageberater zunächst die Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden abklären. Zum Beispiel die Art der Bank-Dienstleistungen, mit denen der Kunde vertraut ist und der Umfang und Häufigkeit der Geschäfte des Kunden mit Finanzinstrumenten (z.B. Aktien) innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z.B. in den letzten 12 Monaten). Hierdurch wird gewährleistet, dass dem Kunden nur solche Anlagen empfohlen werden, die er aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrung in der Lage ist, zu verstehen.
  • Weiterhin hat er die finanziellen Verhältnisse des Kunden zu beleuchten, da diese ausschlaggebend sind, inwieweit der Kunde in der Lage ist, Verluste zu tragen.
  • Auch die individuelle Risikobereitschaft des Kunden ist abzuklären, d.h. ob der Kunde  bereit ist zugunsten besserer Renditeaussichten ein höheres Risiko einzugehen.

Seine Empfehlung(en) hat der Anlageberater sodann an diesen Umständen und den Wünschen des Kunden auszurichten. Hierfür muss er die Eigenschaften des einzelnen Finanzinstruments mit den Angaben des Kunden abgleichen und in der Geeignetheitserklärung schriftlich dokumentieren.

 

Aushändigung an Kunden

Dem Kunden ist die Geeignetheitserklärung vor Vertragsschluß, z.B. vor dem Kauf oder Verkauf einer Aktie, auszuhändigen. Erfolgte die Anlageberatung mittels eines Fernkommunikationsmittels (z.B. per Telefon), ist es ausnahmsweise ausreichend, wenn der Kunde die Geeignetheitserklärung unmittelbar nach Vertragsschluss erhält und er diesem Vorgehen zugestimmt hat.

 

Nicht abdingbar

Die Anfertigung einer Geeignetheitserklärung ist gesetzlich zwingend. Selbst wenn der Kunde darauf verzichten möchte, muss die Bank eine Geeignetheitserklärung bei jeder Anlageberatung erstellen. Banken handeln ordnungswidrig (§ 120 Abs. 8 Nr. 41 WpHG), wenn sie eine Geeignetheitserklärung gar nicht oder nicht richtig oder nicht vollständig erstellen beziehungsweise nicht in der vorgeschriebenen Weise oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellen.

 
© Copyright 2021 FAMOVIS GmbH. Alle Rechte vorbehalten.