Vermögensverwaltung

Vermögensverwaltung ist die Anlage des Kundenvermögens in Wertpapieren durch die Bank - im Rahmen der mit dem Kunden vereinbarten Anlagerichtlinien.

Begriff der Vermögensverwaltung

Vermögensverwaltung, mitunter auch Portfolio Management genannt, ist die Anlage von Kundenvermögen in Wertpapieren durch die Bank auf Basis vereinbarter Anlagerichtlinien. Die Anlageentscheidungen werden also durch die Bank, ohne vorherige Rücksprache mit dem Kunden, getroffen. Die Bank hat in ihren Entscheidungen einen Spielraum, ist dabei aber nicht vollkommen frei, sondern darf sich nur innerhalb der mit dem Kunden vereinbarten Anlagerichtlinien bewegen. Zum Beispiel hinsichtlich der vereinbarten Höhe von Aktienanlagen im Wertpapierdepot.

 

Beispiel: Anlagerichtlinien einer Vermögensverwaltung

Quelle: Sutor Bank

 

Erscheinungsformen einer Vermögensverwaltung

Von den Banken werden unterschiedliche Formen der Vermögensverwaltung angeboten. Diese lassen sich anhand folgender vier Kriterien einteilen:

Die Asset Allocation einer Vermögensverwaltung sieht bestimmte Bandbreiten für die Allokation in Aktien und Anleihen sowie weiteren Wertpapieren vor. Je höher der Aktienanteil dabei ist, desto höher ist die Volatilität (Kursschwankung) aber auch die Rendite der Vermögensverwaltung. Diese Rendite-/Risiko-Aspekte spiegeln sich dann häufig in den Marketing-Begriffen wider, mit denen die Banken ihre Vermögensverwaltung bewerben. Etwa in "konservativ" für eine Vermögensverwaltung mit geringer Aktienquote, "ausgewogen" bzw. "balanced" bei einer Vermögensverwaltung mit in etwa gleichen Anteilen von Aktien und Anleihen, sowie "dynamisch" bzw. "dynamic" bei einer Vermögensverwaltung, die überwiegend (> 50 %) oder ausschließlich (100%) in Aktien investiert.

Bei der in Deutschland angebotenen Vermögensverwaltung dominiert der Euro als Anlagewährung. Banken im Ausland bieten  ihre Vermögensverwaltung häufig nicht nur in Euro, sondern zudem auch in Schweizer Franken, US Dollar und Britischem Pfund an.

Investiert die Vermögensverwaltung nicht direkt in Aktien und Anleihen, sondern über Investmentfonds bzw. ETFs in diese Anlagegegenstände, so spricht man von einer Fonds-Vermögensverwaltung bzw. ETF-Vermögensverwaltung. 

Werden von der Vermögensverwaltung bei der Anlage der Kundengelder zudem Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt, so spricht man von einer nachhaltigen Vermögensverwaltung. Den Gegensatz dazu bildet die klassische Vermögensverwaltung, welche diese Aspekte nicht berücksichtigt.

 

Vorteile einer Vermögensverwaltung

Die Vermögensverwaltung bietet dem Kunden, in Abgrenzung  zu einer Anlageberatung und der blossen Wertpapierverwahrung, folgende Vorteile:

  • Zeitliche Entlastung: Der Kunde muss sich nicht um die Anlage seines Vermögens kümmern. Sämtliche Arbeiten inklusive Anlageentscheidungen werden ihm abgenommen.
  • Laufende Depotüberwachung: Die Bank legt das Geld nicht nur an, sondern überwacht auch laufend die Risiken im Wertpapierdepot des Kunden. So wird der Kunde informiert, wenn sein Wertpapierdepot 10% oder mehr an (Buch)Wert verloren hat (sog. Verlustschwellenreport).
  • Aktives Management: Das Wertpapierdepot des Kunden wird aktiv gemanagt. Hierdurch lassen sich bessere Renditen erzielen, wenn der Portfolio Manager signifikante Hausse- und Baisse-Phasen an den Börsen rechtzeitig erkennt und Depotwerte umschichtet.

 

Abgrenzung der individuellen Vermögensverwaltung zu ETF bzw. Investmentfonds

Die individuelle Vermögensverwaltung ist von der kollektiven Vermögensverwaltung in Form von Investmentfonds / ETFs abzugrenzen.

 

  Individuelle Vermögensverwaltung Kollektive Vermögensverwaltung
Konzept Wertpapierdepot des Kunden, das von der Bank verwaltet wird Kunde besitzt Anteilsscheine an einem Investmentfonds/ETF, der durch eine Kapitalanlagegesellschaft verwaltet wird
Kosten Nur für die Vermögensverwaltung Für die Vermögensverwaltung, die Fondshülle (Auflage, jährliche Bilanz etc.) und den Vertrieb (über Banken, freie Finanzdienstleister, Robo-Advisor etc.)
Anlagerichtlinen Werden zwischen Bank und Kunde individuell festgelegt Werden durch gesetzliche Vorgaben (Kapitalanlagegesetzbuch) bestimmt
Mindestanlage 100.000 € oder höher Keine
Persönlicher Ansprechpartner Ja Nein

 

Anlagesumme einer Vermögensverwaltung

Die Mindestanlagesumme einer individuellen Vermögensverwaltung ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Mitunter legt eine Bank bei Ihren Mandaten auch unterschiedliche Mindestanlagesummen fest. Dabei spielen neben Gesichtspunkten des Marketing, d.h. der Positionierung der Bank gegenüber der Kundenzielgruppe, insbesondere auch Kostenaspekte eine Rolle. Hat eine Bank hohe interne Kosten (cost-income-ratio) bzw. hohe Anforderungen an die Profitabilität ihrer Kunden, so wird sie die Mindestanlagesumme eher höher ansetzen. Entsprechend bewegen sich die Mindestanlagesummen für eine individuelle Vermögensverwaltung gewöhnlich in einer Bandbreite von 100.000 € bis zu 2 Mio. € .

 

Kosten einer Vermögensverwaltung

Die Kosten einer individuellen Vermögensverwaltung unterscheiden sich gleichfalls von Bank zu Bank. Gewöhnlich bewegen sie sich in einer Bandbreite von 0,8% bis 1,8% pro Jahr bezogen auf das verwaltete Vermögen. Insbesondere Transaktionen, d.h. der An- und Verkauf von Wertpapieren, beeinflusst die Höhe der Gebühren eines Mandats. So werden bei aktiv gemanagten Mandaten und Mandaten mit hohem Aktienanteil regelmäßig Wertpapiere gekauft und verkauft. Entsprechend höher sind die Gebühren für ein solches Vermögensverwaltungsmandat. Hingegen wird bei Mandaten mit hohem Anteil an Anleihen zumeist eine buy-and-hold-Strategie verfolgt, bei der die gekauften Anleihen regelmäßig bis zur Fälligkeit gehalten werden. Entsprechend niedriger sind die Gebühren für ein solches Vermögensverwaltungsmandat.

 

Berichterstattung einer Vermögensverwaltung

Bei der individuellen Vermögensverwaltung wird der Kunde über die Zusammensetzung, Wertentwicklung und Risiken seines Wertpapierdepots laufend in Form eines sog. Reportings informiert. Der Kunde kann dabei wählen wie häufig die Bank ihm Rechenschaft über sein Depot ablegen soll. Dies kann von einem einmaligen jährlichen Reporting bis zum monatlichen Reporting reichen.

 
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